Warum wir in Beziehungen immer wieder auf dasselbe Muster stoßen

Irgendwann kommt der Moment, in dem man zurückblickt und denkt: Das war doch schon mal so. Der Partner wechselt, aber das Gefühl bleibt dasselbe. Wieder zu wenig Nähe. Wieder das Schweigen, das sich wie eine Strafe anfühlt. Wieder der Moment, in dem man sich fragt, ob man zu viel will oder einfach am falschen Ort ist.

Dieses Wiederholen ist kein Zufall und auch kein Pech. Es ist ein Muster. Und Muster haben immer eine Geschichte.

Wo Beziehungsmuster entstehen

 Die meisten Überzeugungen darüber, wie Beziehungen funktionieren, entstehen lange bevor wir bewusst darüber nachdenken. In der Kindheit lernen wir nicht nur sprechen und laufen. Wir lernen: Bin ich liebenswert? Kann ich mich auf andere verlassen? Ist Nähe einfach so da, oder kostet sie mich etwas?

 

Diese Lernerfahrungen passieren nicht im Kopf. Sie passieren im Körper, in Reaktionen, in Momenten, die das Nervensystem abspeichert als: so läuft das hier. Ein Kind, das Zuneigung nur bekommt, wenn es keine Bedürfnisse zeigt, wird als Erwachsene die eigenen Bedürfnisse wegdrücken. Ein Kind, das gelernt hat, dass Stille die Stimmung der Mutter beruhigt, wird als Erwachsene Konflikte meiden, auch wenn sie sich dabei selbst aufgibt.

Das ist keine Schwäche. Das war Intelligenz. Anpassung an eine Situation, in der keine andere Wahl bestand.

Das Nervensystem sucht das Vertraute

Als Erwachsene bringen wir dieses gelernte Wissen mit in jede neue Beziehung. Das Nervensystem sucht automatisch nach bekannten Mustern, nicht weil es das Schlechte will, sondern weil es das Vertraute als sicher einstuft. Auch wenn das Vertraute schmerzhaft ist.

Das erklärt, warum Einsicht allein oft nicht reicht. Man kann ein Muster benennen, in der Therapie auseinandernehmen und es dennoch wiederholen. Weil das Wissen im Kopf sitzt, das Muster aber im Körper. Das Nervensystem reagiert schneller als der Verstand. Der Moment, in dem ein Partner schweigt und sich das anfühlt wie früher das Schweigen der Mutter: Der Kopf hat dann keine Chance. Die Reaktion ist schon da, bevor man merkt, dass sie kommt.

 

Was sich bei Frauen oft wiederholt

Frauen, die ich in meiner Arbeit begleite, beschreiben es auf überraschend ähnliche Weise. "Warum liebe ich immer Männer, die mich auf Abstand halten?", "Ich gebe so viel und bekomme so wenig zurück.", "Ich weiß, dass diese Beziehung nicht gut für mich ist, aber ich schaffe es nicht, mich zu trennen."

Dahinter stecken Glaubenssätze, die irgendwann übernommen wurden:

·       Liebe bekomme ich nur, wenn ich mich anstrenge.

·       Wenn ich Nein sage, werde ich verlassen.

·       Meine Bedürfnisse sind zu viel für andere.

·       Liebe bedeutet, sich anzupassen.

Diese Sätze wurden nicht bewusst gewählt. Sie wurden gelernt aus dem, was ringsum passiert ist. Aus Momenten, die klein wirkten und trotzdem etwas hinterlassen haben.

 

Erkennen ist der Anfang

Der erste Schritt ist der einfachste und der schwerste zugleich: erkennen, dass ein Muster existiert. Nicht als Vorwurf an sich selbst, sondern als Beobachtung. Was wiederholt sich? In welchen Momenten reagiere ich stärker als die Situation rechtfertigt? Wann sage ich Ja, obwohl ich Nein meine? An welchen Stellen stelle ich mich immer wieder hinten an?

Diese Beobachtung allein verändert noch nichts. Aber sie verschiebt die Frage. Weg von: Was stimmt mit mir nicht? Hin zu: Woher kommt das eigentlich?

 

Veränderung ist möglich

In meiner Arbeit nutze ich unter anderem EMDR, eine Methode, die direkt auf der Körperebene ansetzt. Es geht nicht darum, Vergangenheit auszulöschen. Es geht darum, dass alte Erfahrungen ihren Einfluss auf das Jetzt verlieren. Dass das Nervensystem lernt: Das damals ist nicht das heute.

Daneben arbeite ich mit dem Geistigen Forschen: das genaue Hinschauen auf Überzeugungen, die als wahr übernommen wurden, ohne zu prüfen, ob sie es wirklich sind. Oft entdeckt man dabei, dass eine Überzeugung, die sich wie eine Tatsache anfühlt, eine Schlussfolgerung aus einer einzigen Kindheitserfahrung ist.

Beides setzt dort an, wo das Muster wirklich sitzt. Nicht nur im Verstand, sondern im Körper und in den Überzeugungen, die wir über uns selbst tragen.

 

Ein Muster ist kein Schicksal

Wiederholungen in Beziehungen fühlen sich manchmal an wie ein Beweis dafür, dass man eben so ist. Dass man das anzieht. Dass es nicht anders geht. Das stimmt nicht.

Ein Muster ist eine erlernte Reaktion. Und erlernte Reaktionen können sich verändern, wenn man den Raum dafür schafft. Das braucht Zeit und meistens Begleitung. Aber es ist möglich.

 

Wenn du erkennst, dass du in Beziehungen immer wieder an denselben Stellen steckst und dir wünschst, das zu verändern, dann ist jetzt ein guter Zeitpunkt, genauer hinzuschauen. Ich begleite dich dabei gerne, schreib mir einfach über das Kontaktformular.

Herzlich, deine Katharina Seedorf

Weiter
Weiter

Vom Überleben zum Leben: Wie das Nervensystem Ruhe findet